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Thursday, 4. december 2008 4 04 /12 /Dez. /2008 21:02

Unsystematische Verarbeitungen; Teil 2:

„Ich sage nicht, dass ich die Menschheit hasse, aber ich verachte ihre Einstellung gegenüber dem Leben und dem, was das Leben lebenswert macht - der Kultur, dem Miteinander und sicherlich auch der Liebe. Das Problem besteht darin, dass die Masse der Menschen in den westlichen Ländern zu beeinflussbar ist und nicht das tut, was sie tun möchte. Sie lassen sich diktieren, besonders von den Medien und von der Mode, die wiederum von den Medien verbreitet wird. In ihrer Jugend nimmt sich noch jeder vor, dass er nicht so werden will, wie seine Eltern, dass er was erleben will im Leben. Aber dann, zehn Jahre später, haben alle ein gemütliches Zuhause, gehen jeden Tag zur Arbeit und machen dann vierzig Jahre, bis zur Rente das Selbe. Ich meine ja auch nicht, dass jeder Mensch so ist, sieh uns an. Wir sind selbst das beste Beispiel.“ 

von Ezra - Kommentar hinzufügen - Kommentare (0)ansehen
Sunday, 30. november 2008 7 30 /11 /Nov. /2008 00:40
Unsystematische Verarbeitungen; Teil 1:

Es ist bereits Nacht, als wir auf dem Flughafen in Amsterdam ankommen. Ich habe den zwölf Stunden langen Flug über geschlafen. Die lauten Torbienen, die sich unterhaltenden Menschen und die arbeitenden Stewardessen bildeten zwar eine laute Hintergrundmusik aber trotzdem konnte ich mich endlich entspannen, ohne Angst, dass ich Ariane nie wieder sehen würde (Wo sollte sie auch hin, hier über den Wolken?). Während der Tage in New York schlief ich insgesamt vielleicht neun Stunden, aber niemals am Stück. Immer wieder wachte ich von starken Angstgefühlen, sicherlich Verlustängsten auf. Ich bin dann aufgestanden, habe das Licht angeschaltet und bin von dem Sofa zum Bett hinüber geschlichen um in Arianes Gesicht zu blicken. Dann sah ich ihre langen, hellblonden Haare, ihre Sommersprossen und ihre sich unter der Haut leicht abzeichnenden Wangenknochen, die mich so ein warm – aufregendes Gefühl in meinem Bauch spüren lassen, dass dann wieder für eine kurze Zeit anhält, bis ich wieder in ihr Gesicht blicken musste um sicher zu gehen, dass sie noch da ist. Genauso habe ich es während der gesamten Reise gemacht und werde es wohl auch noch den Rest unserer gemeinsamen Zeit tun, wie lang sie auch sein mag. Nur während des Fluges weiß ich, dass sie bei mir bleiben muss, nicht einfach so verschwinden kann(wo soll sie denn hin über den Wolken?).
Ariane war wohl den ganzen Flug über wach und hat einen Martini nach dem anderen gekippt, gegen ihre Flugangst natürlich. Ab und zu im Halbschlaf habe ich dann ihren Kopf auf meiner Schulter liegen gespürt (wir saßen nebeneinander), weshalb ich mich sehr wohl fühlte, konnte aber auch einen leichten alkoholischen Geruch wahrnehmen. Als wir nun aber aus dem Flugzeug ausgestiegen sind und das Gate betreten, ist davon absolut nichts zu spüren. Ihr Verhalten, genauso wie immer, keine Spur von Enthemmung oder Albernheit, als hätte Ariane nie etwas getrunken und das trotz der enormen Mengen Martini im Flugzeug (ich frage mich kurz, ob sie wirklich Schwedin ist oder doch aus Finnland kommt). Wir nehmen unser in Vergleich zur Reisezeit eher bescheidenes Gepäck, dass immer noch nur aus einer kleinen Reisetasche je Person besteht entgegen. Ariane bittet mich, einen Mietwagen zu besorgen und sieht mich mit ihren hellblauen Augen an, die eigentlich keine Diskussion zulassen. Aber ich bin dennoch ziemlich verwundert über diese Bitte, sah doch unsere Planung vor vom Flughafen Amsterdam aus direkt in ihre Heimat Schweden weiter zu fliegen. Vielleicht habe ich Ariane ja nur falsch verstanden, was mit unserem eher mittelmäßigen Englisch zu erklären wäre oder aber sie hat wieder einmal entschieden, ohne mich zu fragen, denn sie weiß sicherlich ganz genau, dass ich mich ihr nicht erwehren kann. Ich frage, sie nach ihren weiteren Plänen und warum wir nicht nach Schweden weiter fliegen. Aber sie zeigt mir nur eine der kostenlosen Zeitschriften aus dem Flugzeug, die auf einer Seite aufgeschlagen ist. Sie drückt mir die Zeitung in die Hand und zeigt auf ein Bild, auf dem die Alpen zusehen sind und sagt: „I was never there before.“ Leicht erzürnt, aber immer noch ruhig (durch ihre Anwesenheit) frage ich, ob das ihr Ernst sei, fasse jedoch gleichzeitig in meine Hosentasche, aus der ich das Geldbündel mit den vielen Scheinen ziehe, die von einer Geldklammer zusammengehalten werden. Anstatt meine, zugegeben etwas rhetorische Frage jedoch zu beantworten, weißt sie nur noch einmal auf das Bild und dann auf den Mietwagen Schalter und sieht mich dabei mit ihren tiefen, blauen Augen an. Ich widerspreche nicht und gehe zum Mietwagenschalter, wobei ich Ariane nie aus den Augen lasse, sie bleibt an der selben Stelle stehen und bewegt sich kein Stück, blättert in ihrer gratis Zeitung weiter. Am Schalter sitzt eine junge Frau. Zuerst denke ich, dass sie dunkle Haut hat und wohl irgendwo aus Südeuropa kommen muss, doch dann bemerke ich meine Sonnenbrille, die ich seit dem Abflug in New York nicht abgesetzt habe. Die junge Dame ist sehr freundlich und spricht extra etwas langsamer, damit ich ihr eigentlich ziemlich simples englisch verstehe. Sie fragt, ob ich lieber einen Honda oder einen Volkswagen hätte, dann zeige ich in einer unauffälligen Geste mein Geldbündel über den Tresen. Die Autovermiet-Dame räuspert sich, bittet um Entschuldigung und fragt, was für ein Fahrzeug ich wünsche. Leider steht am Amsterdamer Flughafen kein Porsche Cabrio mehr zur Verfügung, weshalb ich eine Mercedes S-Klasse für knapp 400 Euro am Tag miete. Ariane und ich treten aus dem Flughafenterminal, der zu dieser Zeit (es ist zwei Uhr Nachts) ungewöhnlich wenig besucht ist. Draußen empfängt mich eine Nachtluft, die mir besonders sauber, leise und auch beruhigend vorkommt, vor allem im Gegensatz zu der Luft in New York, die zu jeder Tages- und Nachtzeit gleich schmutzig und laut war. Der Himmel ist Wolkenklos und schimmert durch die Flutlichter des Flughafens dunkelblau. Das gelbe Licht der Beleuchtungsanlagen ist genauso gelb, wie das in New York und lässt mich alles so erkennen, als wäre es Tag eben nur mit einem Gelbstich.
In einem separaten Parkhaus auf dem riesigen Gelände des Flughafens nehmen wir die schwarze und sehr seriös wirkende S-Klasse in Empfang und fahren so gleich in Richtung Deutschland, dank des Navigationssystems ohne Probleme.

Ariane schläft wenige Kilometer außerhalb des Zentrums von Amsterdam ein. Ihr Kopf lehnt gegen die Seitenscheibe, ihr Mund ist leicht geöffnet, so dass ich ihre weißen Zähne und die kleine Zahnlücke sehen kann. Ihre hellblonden, langen Haare liegen über ihre Schulter. Wenn sie schläft, kann ich mich ein wenig entspannen und fahre deswegen gleich etwas langsamer, um schließlich auf einem Parkplatz anzuhalten. Der Parkplatz ist vollkommen leer und dunkel, da die Stadt bereits einige Kilometer entfernt ist und somit auch die Lichter der Stadt. Ich steige aus und setze mich auf die warme Motorhaube des Wagens und beobachte Ariane durch die Frontscheibe. Ich kann die schnell vorbeiziehenden Lichter der Autos und Lkws sehen und hören und fühle ein wenig Melancholie in mir aufsteigen. Mir wird bewusst, welche Macht sie über mich hat und wie verloren ich ohne sie wäre. Seit ich mit ihr unterwegs bin habe ich das Gefühl, dass mein Leben einen Sinn hat. Noch nie habe ich einen Menschen so geliebt, wie Ariane - nicht meine Mutter, nicht meine Freundinnen, niemanden. Umso mehr ich darüber nachdenke, desto mehr bin ich mir sicher, dass ich ohne sie nicht mehr leben kann. Ich bin jetzt bereits seit fünf Wochen mit ihr unterwegs, quer durch die Weltgeschichte, wir haben uns nicht einmal geküsst, niemals miteinander geschlafen. Eigentlich weiß ich noch nicht einmal, ob sie meine Gefühle teilt und davon ausgehen kann ich auch nicht. Die Gedanken daran, dass sie mich nicht lieben könnte sorgen dafür, dass mir übel wird. Ich darf keinen Gedanken daran verschwenden, dass meine Perspektive eigentlich ziemlich miserabel aussieht und plötzlich gefällt mir der Gedanke, dass unsere Reise noch etwas länger dauert - vielleicht für immer. Ich sitze noch eine ganze halbe Stunde auf der Motorhaube, die bereits kalt geworden ist. Meine Hände sind, trotz der lauen Sommernacht ziemlich kalt. Nur noch wenige Stunden und die Sonne geht auf. Ich setze mich wieder in den Mercedes und fahre in langsamem Tempo in französische Alpen.



von Ezra - Kommentar hinzufügen - Kommentare (0)ansehen
Saturday, 29. november 2008 6 29 /11 /Nov. /2008 21:46


Im Nachhinein komme ich mir ziemlich naiv vor - aber trotzdem - ein paar Zeilen,die ich vor einiger Zeit meiner persönlichen Lilith gewidmet habe. Diese Zeilen wird sie trotzdem wohl niemals zu Gesicht bekommen.





Unerwidert


In der Sehnsucht gebannt,
Zum warten verdammt.
Die Hoffnung gespannt.

Das Herz verbrannt.


Im Kopf Pläne gemacht,

in wirklich nie vollbracht.

An ein einfaches Ende gedacht,

aber immer wieder ausgelacht.


Tag für Tag,

immer wieder,

ohne Hoffnung,

für immer.

von Ezra - Kommentar hinzufügen - Kommentare (0)ansehen
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